Von Pferden und Ihren Flügeln
  Motto
 
 


"Wildheit ist beim Pferde, was Zorn beim Menschen ist. So wird auch das feurigste Roß nicht wild, wenn man es nicht erzürnt."

(unbekannt)

Von den Flügeln




Der Himmel auf Erden zerbricht,
sobald das Kind beginnt,
das Pferd beherrschen zu wollen.
Und das Paradies öffnet sein Tor,
auf dem "Ausgang" steht.
Und ist das Tor einmal verschlossen,
findet man es nur schwer wieder.

Dann wird das Pferd zum Wesen,
das innerlich verbrennt.
Ausgebrannt und voller Trauer
stehen sie dann vor mir da.
Mit gebrochenen Flügeln, von Teer, Pech und Schwefel verklebt.
Voll Scheu, Angst und Misstrauen,
die zusammenzucken und gar ängstlich davonlaufen.
Wenn sie sterben, dann berichten sie dem Himmel,
denn nichts fällt einfach so zu Boden.

Das Stutzen ihrer Flügel, ist immer der erste Akt,
den ein Mensch am Pferd vollbringt!
Dann nehm ich ihren Schmerz so unmittelbar,
dass es selbst dem Menschen nahe geht.
All die Wunden muß ich versorgen.
Dann spreche ich mit ihnen und erzähle ihnen,
das sie mit Flügel auf diese Welt gekommen sind,
und dass ich von diesen Flügeln weiß.

Das ist der wichtigste Augenblick für das Pferd.
Es erkennt das es kein hässliches Entlein ist, - denn das ist es,
was die Menschen ihm immerzu eingeredet haben.
Die Verwandlung ist geschehen,
die gar keine war.
Sie spucken dann die verklebten Teerreste aus ihrem Rachen,
weiten und dehnen sich,
rollen mit den Augen,
schütteln sich kräftig und klopfen wieder an die Himmelspforte.

Sie haben Teer, Pech und Schwefel
über das Pferd gegossen,
und wollen jetzt ein Rezept, eine Mischung ergründen.
Das es in Wahrheit, keine Mischung gibt,
sondern das ich nur vorsichtig das alte,
verklebte Zeug entferne,
erkennen sie nicht.

Dann staunen sie über das Resultat meines Weges
aber schütten ganauso schnell, dasselbe Zeug wieder über die Pferde.

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